Lost in Transformation – eine Antwort aus Sicht eines digitalen Beraters

Gestern lief mir ein Artikel in der Bilanz über den Weg welcher heute in den verschiedenen Social Kanälen die Runde macht. Der Titel „Digitale Berater – Lost in Transformation“ welcher über die Qualität der digitalen Beratung berichtet und diese als Scharlatane und digitale Blender bezeichnet.

Da ich seit 2015 selber als digitaler Berater tätig bin ist es mir wichtig ein paar Punkte mit einer anderen Sichtweise zu beleuchten.

Meine Gegenaussage: Die Unternehmen sind in vielen Fällen gar nicht bereit und vom Wissen her nicht fähig sich auf die Beratung einzulassen.

Wer ist in der Verantwortung?

Ein in Grundsatz von mir heisst: „Alles was ich mache oder nicht mache liegt Schlussendlich in meiner Verantwortung. Es ist nicht die Schuld anderer.“

Den Entscheid mit einem Berater zusammen zu arbeiten treffe ich nach einer Auswahl als Unternehmen. Das heisst aus meiner Sicht als Konsequenz in Bezug auf den Artikel in der Bilanz das in Schweizer Unternehmen keine digitale Kompetenz vorhanden ist um einen Auftrag bezüglich Qualität beurteilen zu können. Diesen Missstand schreibe ich ganz klar dem Verwaltungsrat oder der Geschäftsleitung zu welche vielmals nicht bereit ist in Ausbildung und Ressourcen in diesem Bereich entsprechend zu Investieren und selbst auch kein Know How besitzt um dies beurteilen zu können. So wie dies im zu Grunde liegenden Artikel von Samy Liechti und Mathias Menzl ebenfalls umschrieben wird. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage „Die Geschäftsleitung weiss oftmals nicht, was man intern alles selber machen könnnte oder nicht machen kann

Bezüglich dem Telco Unternehmen welches in der Einleitung zum Artikel erwähnt wird, ist für mich auch speziell das eine 300 seitige Präsentation bis zum Schluss durchgezogen wird und nicht schon auf dem Weg dorthin erkannt wurde das hier alles in eine etwas komische Richtung läuft. Dies spricht neben der fehlenden digitalen Kompetenz auch nicht gerade für eine operative Exzellenz in der Projektabwicklung des Telco-Unternehmens. Was aber aus meiner Erfahrung auch nicht ein Einzelfall in der Schweizer Unternehmenslandschaft ist.

Auch die Absicherung der Verantwortung ist in grösseren Unternehmen genau wie von Menzl beschrieben. Durch das Beiziehen von externen Ressourcen wird die eigene Person durch eine Delegation des Themas geschützt. Es ist zudem aber auch so das der Auftraggeber sich intern dann selber gerne positiv in’s Licht setzt wenn durch die externe Beratung eine gute Arbeit abgeliefert wird. Was aber menschliche Charakterzüge sind, welche nicht unbedingt etwas mit der digitalen Transformation zu tun haben.

Blender mit Buzzwords enttarnen

Ich finde es Schade das im Artikel sehr gute Methoden als Messlatte zum erkennen von unseriösen Beratern in den Raum gestellt werden. Der Artikel suggeriert das „Customer Journey“ oder andere “Buzz Words” ein möglicher Weg sind um unseriöse Berater zu enttarnen. Diese Darstellung ist für mich undifferenziert und ebenfalls unseriös.

Diese Methoden sind aus meiner Sicht aber auch gar nicht die Ursache allen Übels. Die Analyse ist mit diesen „Buzzword“ Methoden eigentlich “relativ” einfach zu bewerkstelligen. Die grosse Kunst ist aus der Analyse dann eine entsprechen Lösung zu konzipieren welche auf das Unternehmen passt.

Dazu benötigt es praktische Erfahrung und Kenntnis in dem behandelten Bereich sowie die richtig Einschätzung von zukünftigen Entwicklungen und eine gute Portion Kreativität um die richtigen zugeschnittenen Lösungen für Unternehmen zu erarbeiten.

Und bezüglich Praxiserfahrung: Berater werden vielmals von anderen Beratern ausgebildet welche nie auf Auftraggeberseite operativ tätig waren. Dies führt zu einer verzerrten Sicht welche durch Studien aus anderen Märkten geprägt sind. Es sind nicht nur die holländischen Berater welche den Schweizer Markt falsch einschätzen, es gibt diese Fehleinschätzungen zu Hauf auch in der Schweiz in dem Studien aus Deutschland, UK oder aus den USA über die Schweiz gestülpt werden. Was je nach Themenbereich fatal ist.

Es braucht immer 2

Jeder von uns weiss wie schwierig es ist im Innovationsbereich einen Treffer zu landen der nachhaltig zum Erfolg führt (ich hoffe es auf jeden Fall). Das Thema ist nicht schwarz oder weiss. Es geht darum den wahrscheinlichsten Ansatz zu validieren und durch lernen und anpassen zum Erfolg zu führen. Es ist aber ein Fakt das 9 von 10 umgesetzten Projekten keinen signifikante Verbesserung herbeiführen (um es sanft auszudrücken).

So kann ich als Berater Handlungsempfehlungen abgeben, schlussendlich Entscheidet aber das beratene Unternehmen wie und für was es bereit ist Geld auszugeben. Einen längerfristigen Erfolg mit einer einzigen Analyse und einer Konzeption im Strategie Bereich als Berater zu versprechen welcher dann zu 99.9% zum Erfolg führt ist unseriös. Genau so wie es blauäugig ist als Unternehmen einen entsprechenden Erfolg von 99.9% zu erwarten. Es bleibt ein Restrisiko welches in diesem komplexen und schnellen Umfeld nicht Einschätzbar ist. Daher haben sich ja auch die ganzen agilen Geschäftsmodel Entwicklungs-Ansätze entwickelt, um das Risiko zu minimieren.

Es braucht eine Vertrauensbasis zwischen Berater und Unternehmen. Der Berater kennt Methoden und vielleicht die Branche, das Unternehmen seine Stellung im Markt in dieser Branche. Beides muss zusammen gebracht werden und daraus ein für das Unternehmen besser Situation geschaffen werden. Ich gehe davon aus das kein Berater ein Unternehmen berät um diesem zu Schaden. Was aber nicht heisst das ich das Verhalten von den im Artikel angesprochenen Beratern und Beratungsunternehmen welche unseriöse Arbeit leisten, gut heisse. Ich verurteile dies zu tiefst.

Was sollen Unternehmen den tun?

Mein Rat an Unternehmen um dieser Problemstellung her zu werden: Fangt endlich an Eure Verantwortung wahr zu nehmen und in House richtige und genügende digitale Kompetenz aufzubauen!

Der Artikel führt dies mehrmals als Problemstellung auf und hier sind die Konsequenzen aus den Punkten ebenfalls die selben. Nur so kann ein Unternehmen besser entscheiden und Ihr euer Unternehmen in die Zukunft führen.

Sei dies durch die Ausbildung von bestehenden Mitarbeitern (weil wirklich kompetente Ressourcen im Markt sehr rar sind) oder Anstellung von Mitarbeitern in diesem Bereich (wobei es auch hier viel heisse Luft gibt, welche bezüglich Beurteilung wieder digitale Kompetenz voraussetzt).

Macht einfach mal den Ersten Schritt in diese Richtung und fangt an zu lernen. Auch wenn es Misserfolge gibt. Sprichwörtlich sagt man ja das aus Fehlern mehr gelernt wird wie aus den Erfolgen.

Aus meiner Sicht ist es das schlimmste anderen die Verantwortung und die Schuld für Fehler zu geben und selber in einer Schockstarre zu verharren.

Und wenn ich es als Entscheid in meiner Rolle selber nicht beurteilen kann muss ich mit mir selber Ehrlich sein und jemandem anderen Platz machen der die entsprechenden Eigenschaften besitzt um das Unternehmen in die digitale Zukunft führen zu können.

Ich freue mich auf Eure Sichtweise und den Dialog im Kommentarfeld.

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About Erich Althaus
Erich Althaus, Inhaber noline.ch GmbH, blickt auf langjährige Erfahrung als Projektleiter auf Web-Agentur-Seite sowie als Teamleiter e-Commerce, Online Marketing, New Media in verschiedenen namhaften Schweizer Unternehmen im Einzelhandel zurück. Seine Stationen in der Informatik und Marketing seit 2000 waren UBS, Novartis, Manor, Athleticum, Jumbo, Migros, Interio, Famigros, Ochsner Sport, Dosenbach, Ochsner Shoes. Heute berät Erich Althaus als Inhaber von noline.ch GmbH schweizer Top Retailer in den Bereichen Online Marketing, e-Commerce und Social Media Marketing.

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